Homöopathie

Die Homöopathie

1. Allgemein

Die Homöopathie wurde vor 180 Jahren von dem Arzt Samuel Hahnemann (1755-1843) gegründet. Sie versteht sich als "eine Form der arzneilichen Regulationstherapie, welche die Selbstheilungs­tendenz des Organismus anregt (Dölle/Müller-Oerlingshausen/Schwabe 1986: 246). Wesentliche Prinzipien sind die Ähnlichkeitsregel, die Arzneiprüfung an gesunden Versuchspersonen und das individuelle Krankheitsbild. Die Ähnlichkeitsregel geht davon aus, dass gewisse Substanzen, z. B. Pflanzenauszüge, in menschlichen Organismen bestimmte Reaktionen hervorrufen, die manchen Krankheitsbildern ähneln. Liegt nun eine solche Krankheit vor, so wird davon ausgegangen, dass die betreffende Substanz, welche beim Gesunden ein entsprechendes Erscheinungsbild verursachen würde, in sehr hoher Verdünnung gegeben, die Krankheit heilen kann.

Dieses Prinzip wird als Aufforderung an den kranken Organismus verstanden, die mittels der Sub­stanz vorgestellte Krankheitsursache zu erkennen und die Selbstheilungskräfte in Gang zu setzen. Die eingesetzten Mittel müssen dabei nicht notwendigerweise pflanzlich sein. Wesentlich ist aller­dings, dass die jeweilige Substanz nur stark verdünnt und in kleinsten Mengen verabreicht werden darf, sonst würde sich eine Verschlechterung des Zustandes ergeben. Die Verdünnung wird unter Umständen so weit betrieben, bis kein einziges Molekül der Ausgangssubstanz mehr vorliegt. Für Vertreter der Schulmedizin ist damit jegliche Wirksamkeit des Medikaments ausgeschlossen. Als Besonderheit der Homöopathie wird außerdem das Eingehen auf den Kranken als Persönlichkeit unter Berücksichtigung seiner individuellen Umwelt und der Bedingungen sowie Belastungen sei­ner Zeit und der eigenen Biographie angesehen.

2. Wissenschaftliche Grundlagen

Ohne minimale Kenntnis der Grundlagen der Homöopathie ist die richtige Beurteilung und Ge­wichtung ihrer Forschungsergebnisse nicht möglich. Diese Aussage ist auch deshalb wichtig, weil heute immer noch unreflektierte Vorurteile die Diskussion um die Homöopathie kennzeichnen.

Die Homöopathie ist eine Wissenschaft, die – was den uninformierten Leser überraschen mag – wie die Schulmedizin/Pharmakologie auf exakten empirischen (das heißt: nach klaren Kriterien beob­achtbaren) Grundlagen beruht. Dennoch unterscheiden sich wissenschaftlicher Ansatz sowie Stel­lenwert und Gegenstand der Forschung in diesen beiden Medizinwissenschaften gewaltig. Die Pharmakotherapie der Schulmedizin beruht weitgehend auf der ausgedehnten experimentellen Er­forschung von Arzneien im Labor und später an Patienten, was meist im Rahmen von so genannten kontrollierten randomisierten Doppelblindstudien geschieht (weder Arzt noch Patient wissen, wel­cher Patient – nach dem Zufallsprinzip zugeteilt – die Prüfsubstanz und welcher zur Kontrolle die Vergleichssubstanz erhält). In der Homöopathie haben solche mit schulmedizinischer Methodik er­zielten Forschungsergebnisse für die Arzneitherapie in der Praxis nur eine geringe Bedeutung und dienen i. d. R. höchstens dem Dialog mit der Schulmedizin und der wissenschaftlichen Fundierung der Homöopathie.

Bei der oft gehörten Forderung, die Homöopathie müsse ihren Wirksamkeitsnachweis mit den in der Schulmedizin üblichen Methoden erbringen, wird missachtet, dass die Homöopathie eine eigen­ständige Medizinwissenschaft ist, die nicht einfach aus dem Blickwinkel eines ihr fremden Denk- und Forschungssystems beurteilt werden kann. Die in der Homöopathie streng individuelle Arz­neimittelwahl lässt sich dem Wesen nach nicht in eine standardisierte Arzneitherapie bei bestimmten Diagnosekategorien hineinzwängen, wie das für Doppelblindstudien notwendig wäre. Derartige Forschungsansätze sind daher in der Homöopathie äußerst problematisch und oft von geringer Aus­sagekraft, weil sie die wesentlichen Grundlagen der Homöopathie außer Acht lassen.

3. Die verschiedenen Konzepte der Homöopathie

a) Der Prozess der chronischen Krankheit

Für Hahnemann als Vertreter des Monismus hängen alle am Menschen auftretenden Phänomene zusammen. Er suchte dementsprechend eine gemeinsame "Ursache" für alle diese akuten Erkrankungen. Sie alle weisen seiner Ansicht nach auf eine gleiche Krankheit hin. Diese nannte er "chronische Krankheit". Man könnte sagen, dass die "chronische Krankheit" einen unsichtbaren Prozess darstellt, der in akuten Erkrankungen manifestiert wird, sich aber auch in dem zeigt, was nach heutigem Sprachgebrauch eine "chronische Krankheit" genannt würde. Erkennbar ist dieser Prozess immer nur an den Symptomen, er selbst ist nicht wahrnehmbar. Um ihn zu fassen, müssen jedoch alle verfügbaren Krankheitssymptome verwendet werden.

b) Der Schritt von der Querschnitts- zur Längsschnittanalyse der Symptome

Für Hahnemann bedeutete dies den Schritt von der Querschnitt- zur Längsschnittanalyse bei der Behandlung. Er betrachtete und verwendete von nun an nicht nur den Querschnitt, d. h. die im Au­genblick aufgetretenen Symptome, sondern den Längsschnitt, d. h. alle bisher erschienenen Sym­ptome des Patienten. Zur Therapie benutzte er von da an, um möglichst den gesamten Prozess der "chronischen Krankheit" zu behandeln, nicht nur die Symptome des derzeitigen Zustandes, sondern alle bisher aufgetretenen Symptome. Das Medikament musste somit im Ideal alle diese in der Längsschnittanalyse auffindbaren Symptome aufweisen und nicht nur die momentan sichtbaren.

c) Die Gesamtheit der Symptome

Bis jetzt war die Rede von den Symptomen der Krankheiten. Die nächste Entdeckung Hahnemanns war nun, dass auch Symptome aus anderen Bereichen einer gesetzmäßigen Änderung unterworfen und damit auch verwendbar werden. Die bisher betrachteten Symptome werden in der Homöopa­thie Lokalsymptome genannt. Daneben gibt es Symptome, die durch eine besondere Empfindung, eine besondere Wahrnehmung an sich selbst oder eine eigenartige Erlebnisweise verschiedener Körper- und Krankheitszustände gekennzeichnet sind. Z. B. die Empfindung des Brennens im Ohr oder das Gefühl, einen Stein im Magen zu haben. Großen Wert legt Hahnemann auch auf die so genannten Modalitäten, das sind Zustände, Umstände oder Zeiten, die bestimmte Beschwerden bes­sern oder verschlimmern. Z. B. können Gelenkschmerzen stärker oder besser werden durch Bewe­gung, bei anderen Patienten durch Ruhe, durch kalte oder warme Auflagen.

Zu diesen Symptomengruppen kamen relativ früh schon die so genannten Allgemeinsymptome hinzu. Das sind Symptome, die das Kälte-Wärmeempfinden des gesamten Organismus, Schlaf, Energie, Absonderungen (Schweiß, Stuhl, Urin), Ernährungseigenarten, z. B. besondere Verlangen und Abneigungen, betreffen.

Die letzte Entdeckung Hahnemanns betrifft die Verwendung der so genannten Geistes- und Gemüts­symptome, und zwar auch im Sinne der Längsschnittanalyse. Das bedeutet zunächst, dass Hahne­mann jede nur denkbare Äußerungsform des Menschen betrachtete, um diesen Krankheitsprozess zu fassen: Es ergaben sich somit Zeichen und Symptome im Bereich des Körperlichen, des Befindens, der körperlichen Grundfunktionen und -bedürfnisse, der Wahrnehmungen und Erlebnisweisen, des Seelenlebens, des Geisteszustandes – und dies alles vor dem Hintergrund wechselnder Zustände im Verlaufe des bisherigen Lebens.

d) Die Unterdrückung als Krankheitsursache

Nun gibt es natürlich nicht wenige Patienten, die zunächst keine auffallenden, ungewöhnlichen, ei­genheitlichen Symptome zeigen, oder welche, die zu viele davon zeigen, oder  das eine weist auf dieses Medikament hin, das andere auf jenes usw. D. h., man braucht noch eine weitere Präzisie­rung oder noch weitere Kriterien, um die Ähnlichkeit zwischen Patient und Arzneimittelbild be­stimmen zu können.

Bei der Suche nach der Ursache der Krankheiten traf Hahnemann auf das Phänomen der Unter­drückung: "Wird nun von dem Arzte der bisherigen Schule, in der Meinung, er heile dadurch die ganze Krankheit, das Lokal-Symptom durch äußere Mittel örtlich vernichtet, so ersetzt es die Natur durch Erweckung des inneren Leidens und der vorher schon neben dem Lokal-Übel bestandenen, bisher noch schlummernden übrigen Symptome, das ist, durch Erhöhung der inneren Krankheit – in welchem Falle man dann unruhig zu sagen pflegt, das Lokal-Übel sei durch die äußeren Mittel zu­rück in den Körper oder auf die Nerven getrieben worden" (Hahnemann 1982: 120, § 202).

Was Hahnemann hier beschreibt, tritt dann auf, wenn die Behandlung ausgeht von einer Vorstel­lung der Krankheit als lokale Äußerung des menschlichen Organismus. Bei dieser Vorstellung ist die Krankheit dann ausreichend behandelt, wenn diese lokalen Krankheitssymptome beseitigt sind. Eine ausreichend feine und länger andauernde Beobachtung kann fast immer zeigen, dass stattdessen entweder Rezidiv oder andere, meist schwerwiegendere Krankheitsäußerungen auftreten. Hahnemann wurde zu dieser Entdeckung geführt durch die Beobachtung rein lokal behandelter Hautausschläge. Dabei bemerkte er, dass nach Verschwinden der Hauterscheinungen nach einem mehr oder weniger langen Zeitabstand andere Beschwerden auftraten.

Eine Unterdrückung kann übrigens auch hervorgerufen werden durch Verordnung eines homöopa­thischen Medikamentes, z. B. wenn dieses nur nach lokalen Symptomen und ohne Berücksichtigung der o. g. anderen Bereiche des Menschen angewandt wird.

Die Schlussfolgerung aus dieser Beobachtung ist, dass die Ursache vieler Krankheitsäußerungen in einer äußeren, eben die unterdrückende Maßnahme zu suchen ist. Dies trifft zwar für viele, aber natürlich lange nicht für alle Krankheiten zu. Und selbst bei den durch Unterdrückung entstandenen müssen Krankheitssym-
ptome vorhanden gewesen sein, damit sie unterdrückt werden konnten.

e) Die "endogene" Empfindlichkeit

Hahnemann sprach davon, dass ein Organismus erst dann auf eine äu­ßere Ursache mit einer Krankheit reagiert, wenn er "dazu disponiert und aufgelegt genug" ist. Vor der äußeren Ursache muss somit eine innere Ursache bestehen, eine auf die äußere Ursache reagie­rende Empfindlichkeit. Die äußere Ursache besteht noch, aber sie wird in ihrer Wichtigkeit relati­viert. Ein größeres Gewicht legte Hahnemann auf den Vorgang im Menschen. Seine Suche nach der Krankheitsursache wurde in den Menschen verlagert. In diesem Sinne und nur in diesem kann man davon sprechen, dass die Krankheit endogen ist. Man weist damit auf die vorher bestehende Em­pfindlichkeit hin. Um es zu verdeutlichen: Ein Mensch, der in einer Situation lebt, die ihm Anlass zu einem chronischen Kummer gibt, kann beispielsweise ein Magengeschwür entwickeln. Die äußere Situation ist die Ursache für diese Erkrankung, aber die Art und Weise, wie er damit umgeht, drückt seine Empfindlichkeit aus und ist damit für eine Therapie im Sinne der Homöopathie wichtig. Die äußere Situation erhält die Rolle eines Indikators ebenfalls für die Empfindlichkeit.

f) Der Mensch ist eine untrennbare geistig-seelisch-körperliche Einheit

Die wichtigste Feststellung ist: Hahnemann suchte die Ursache der Erkrankung im Menschen selbst. Wenn wir weiterfragen, wo genau im Menschen, müssen wir wieder auf den Begriff der Gesamt­heit der Symptome hinweisen. Für Hahnemann war es nicht denkbar, dass die Krankheitsursache in einer Ebene des Menschen lokalisiert werden konnte, sei es in der physischen, vegetativen, der see­lischen oder der geistigen. Der Mensch war für ihn eine untrennbare körperlich-seelisch-geistige Einheit, und er reagiert auch immer als Einheit. Krankheit ist nicht auf einen handelnden Faktor in einer dieser Ebenen reduzierbar. Deshalb sind immer alle erfassbaren Phänomene am Menschen, d. h. die Gesamtheit der Zeichen und Symptome zu berücksichtigen. Somit weigerte er sich, die Krankheit in causalen Begriffen zu fassen. Aber auch eine übersinnliche Verursachung der Krank­heit kommt für Hahnemann nicht in Frage.

g) Die Bestimmung der Analogie und die Krankheitsvorstellung

Hahnemann formulierte in seinem Heilungsgesetz, dass Ähnliches durch Ähnliches geheilt werde. Er verwendete bewusst das Wort "Simile" und sprach somit ausdrücklich nicht von "Gleich­heit" oder "deckungsgleich", sondern von "Ähnlichkeit". Der Begriff der Analogie, der in der Philo­sophiegeschichte seit Pythagoras eine große Rolle spielt, beschreibt diese von Hahnemann im Simile-Gesetz beschriebene Art der Schlussfolgerung.

Die Analogie umfasst somit einerseits Gleichheit, andererseits Ungleichheit. Ein gewisser Aspekt der beiden in Beziehung zu setzenden Zustände muss Gleichheit aufweisen, in den übrigen Aspekten kann Ungleichheit bestehen. Zwischen dem Arzt, der sich um seinen Patienten bemüht, und dem Gärtner, der seinen Garten hegt und pflegt, besteht eine qualitative Analogie hinsichtlich der Sorge und des Pflegens. In anderer Hinsicht ist ihre Tätigkeit völlig unterschiedlich.

Die wesentliche Frage in unserem Zusammenhang ist somit, in welchem Aspekt sich die Sympto­menreihen analog sind. Es ist leicht einsehbar, dass die Antwort auf diese Frage abhängt von der Krankheitsvorstellung, die man anwendet. Diagnose und Therapie erschöpfen sich nicht alleine in der Anwendung des Si­mile-Gesetzes.

Unsere Annahme ist, dass der Begriff und die Vorstellung von Krankheit bestimmt, welcher Aspekt der Analogie ausgewählt wird. Damit ist offensichtlich, dass die Praxis der Homöopathie von der jeweiligen Krankheitsvorstellung bestimmt wird. Und dies besteht unabhängig davon, ob dies dem Homöopathen bewusst oder nicht bewusst ist. Je nachdem, wie ich Krankheit sehe,

-  ob als primär körperlichen Vorgang, beschreibbar in pathologisch-anatomischen oder physiologi-
    schen Veränderungen, damit mehr oder weniger von außen verursacht;

-  oder ob als Vorgang in einer so genannten Vital-Schicht des Menschen; hervorgerufen und/oder
    ausgedrückt in einer besonderen Art des Erlebens seines Leibes, seiner Beschwerden und der
    Welt;

-  oder primär als Ausdruck eines psychischen Konfliktes, beschreibbar in Modellen verschiedener
    psychologischer Richtungen;

-  oder als Ausdruck eines sündigen Verhaltens in einem theologischen Sinne;

-  oder als Ausdruck einer metaphysischen Haltung und Existenzangst des Menschen.

Diese Reihe ließe sich fortsetzen. Sie macht immerhin deutlich, an welchen unterschiedlichen Stel­len das Verständnis von Gesundheit und Krankheit ansetzen kann.

4. Die Anamnese

Die Anamnese nimmt in der homöopathischen Arzneimittelfindung eine zentrale Rolle ein. In ihr geht es darum, den Patienten in seiner Gesamtpersönlichkeit, welche sich für den homöopathischen Arzt durch körperliche, oft subjektive Symptome (des Patienten) sowie durch seelische und geistige Haltung ausdrückt, zu verstehen. Der homöopathische Arzt trägt daher eine Fülle von Informatio­nen über den Patienten zusammen, durch deren Auswertung in der Repertorisation er das für den Patienten zutreffende und heilende homöopathische Medikament findet.

5. Die Prognose

Die Stellung einer Prognose zu Beginn der Behandlung ist ein wichtiger Arbeitsschritt. Anders als in der Schulmedizin haben in der Homöopathie gleiche Krankheiten nicht gleiche oder ähnliche Prognosen.

Beeinflußt wird die Beurteilung der Heilungschancen durch viele Faktoren. Diese sind unter ande­ren die Offenheit und Mitarbeit des Patienten, seine Vitalität, die Chronizität der Erkrankung. Wel­che Ebene des Menschen betroffen ist, ist ein weiterer wichtiger Faktor, der die Länge eines Hei­lungsverlaufes bestimmt. Weiter ist von Bedeutung: Fand eine allopathische Behandlung bereits statt, welche genetische Belastungen liegen vor? Bestehen oder bestanden schädigende Umweltein­flüsse oder andere exogene Störfaktoren?

Verschiedene, immer wiederkehrende Reaktionsmuster, die nach Einnahme des homöopathischen Mittels beobachtet werden konnten, geben heute die Möglichkeit der Beurteilung eines Fallverlaufs. Die Heilungsaussichten eines Falles sind für den behandelnden Arzt über die aufgetretene Reakti­onsart klarer abzuschätzen.

6. Arzneimittelfindung

Zur Arzneimittelfindung wird die Verbindung hergestellt zwischen der Krankheit des und der jeweils erforderlichen homöopathi­schen Arznei.

Dazu erfolgt eine Analyse der in der Anamnese erhobenen Daten mit dem Ziel, den Patienten und seine Krankheit zu verstehen und dieses Bild einem in der Arzneimittellehre dargestellten homöo­pathischen Mittel zuzuordnen.

Es ist daher nicht nur notwendig, den Patienten und seine Krankheit zu erfassen, sondern ebenfalls ist eine genaue Kenntnis der Arzneimittellehre erforderlich, um die Verbindung zwischen dem Pati­enten  mit seiner Krankheit und dem ihn heilenden homöopathischen Mittel herzustellen.

Zur Erleichterung dieses Arbeitsprozesses werden in der Homöopathie Repertorien benutzt. Dort sind detailliert Krankheitssymptome aufgelistet, denen jeweils homöopathische Arzneien zugeord­net wurden, die sich durch Arzneimittelprüfungen oder durch in ausreichender Zahl beobachtete Heilungen an Kranken bestätigt hatten. In den letzten Jahren gibt es auch dementsprechende Com­puterprogramme, die diese Verknüpfung erleichtern können.

7. Der Verlauf einer homöopathischen Therapie

a) Definition

Der Verlauf soll den gesamten Zeitraum der homöopathischen Therapie beschreiben. Er beinhaltet die Führung und Betreuung des Patienten – der Patientin – während der Therapie sowie die Behand­lung evtl. auftretender Erkrankungen und die Verlaufsbeurteilung. Wenn das hohe Ziel der Heilung erreicht ist, endet die Therapie; wobei nicht von einem wirklichen Ende gesprochen werden sollte, denn auch nach der Heilung gibt es im Leben eines Menschen Phasen, in denen erneut Erkrankun­gen auftreten und diese homöopathisch behandelt werden können.

b) Therapie

Der Verlauf beschreibt den Zeitraum nach der ersten Mittelgabe bis zum Abschluss der Therapie. Zur Führung und Aufklärung des Patienten sowie zur Beurteilung, ob das gegebene Mittel in der richtigen Weise gewirkt hat oder ein neues Mittel gegeben werden muss, bedarf es seitens des ho­möopathischen Arztes einer großen Erfahrung und eines großen Einfühlungsvermögens. Der Ver­lauf kann nach bestimmten Kriterien beurteilt werden. Eine Erstverschlimmerung nach einer Mit­telgabe gehört zu einem normalen Verlauf. Probleme werfen oft interkurrente Erkrankungen auf sowohl in der Beurteilung als auch in der Therapie. Durch Antidote (Störfaktoren) wird die Thera­pie oft gefährdet. Um sie weitestgehend auszuschalten, bedarf es einer intensiven Aufklärung des Patienten. Die Behandlungsdauer und die Häufigkeit der Konsultationen hängen von der Art der Er­krankung und der Prognose ab. Im Laufe einer Therapie kommt es wiederholt zu Situationen, in denen andere Fachdisziplinen hinzugezogen werden müssen, welches heute häufiger an der man­gelnden Bereitschaft mancher Kollegen scheitert, zusammenzuarbeiten und die Therapie aufeinan­der abzustimmen. Aber dies wird sich hoffentlich im Zuge des Bekanntwerdens der Homöopathie bessern.