Elektroakupunktur

Darstellung der Elektroakupunktur nach Voll (EAV)

Die Elektroakupunktur (EAP) geht auf die Jahrtausendalte Akupunktur zurück und der Unterschied bestand zunächst nur darin, dass die traditionellen Nadeln durch Elektroden ersetzt wurden. Dr. Reinhold Voll entdeckte, dass diese Methode nicht nur zum Ausschalten von Schmerzen, sondern auch zur Diagnose geeignet ist. Hierbei steht also nicht das Anreizen der Akupunkturpunkte zur Behandlung im Vordergrund, sondern Strommessungen an den Akupunkturpunkten und Leitlinien. Anhand der Leitfähigkeit können Rückschlüsse auf die Funktionsfähigkeit der Leitbahnen und den damit zusammengehörenden Organen gezogen werden. Das neu entwickelte Diagnoseverfahren wurde nach Dr. Voll benannt und heißt dementsprechend „Elektroakupunktur nach Voll“.

Die der EAV zugrunde liegende Idee wurde 1953 von dem Arzt Dr. Reinhold Voll konzipiert. Voll stellte folgende Forderungen auf:

  1. Ortung der Akupunkturpunkte (AP-Punkte) mittels elektronischem Meßgerät.
  2. Messung des bioelektrischen Potentials dieser Punkte.
  3. Applikation von elektrischen Reizen auf die AP-Punkte zu therapeutischen Zwecken.
  4. Messung und Therapie über Elektroden, nicht mit Nadeln wie bei der traditionellen chinesischen Akupunktur.

Der Diplomingenieur Dr. Werner entwickelte ein Gerät, mit dessen Hilfe es möglich war, die For­derungen Volls zu erfüllen: Den KuF-Diatherapunkteur, ein Röhrengerät. 1955 wurden Methode und Gerät zum erstenmal der medizinischen Öffentlichkeit vorgestellt. Das von Dr. Werner entwik­kelte Schaltschema wurde später auf die elektronisch ausgestatteten Geräte übertragen, die etwa seit 1970 die Röhrengeräte abgelöst haben.

Zwei Arten der Messung in der EAV

Es werden zwei Arten der Messung unterschieden:

1. Die Leitwertmessung: Hierbei werden großflächige Körperelektroden, vor allem Hand- und Fuß-
    elektroden angelegt. Damit kann man einen ersten Überblick gewinnen über die Ausgewogenheit
    des Energiehaushaltes oder die Verschiebung des energetischen Gleichgewichtes.

2. Die Punktmessung: Hierbei wird das bioelektrische Reaktionsverhalten an einem definierten
    Punkt auf der Hautoberfläche gemessen. Jedes Organ, jeder Organabschnitt, jedes Funktionssy-
    stem des Körpers ist durch einen oder mehrere "elektrisch vorzügliche Areale" (Kellner) auf der
    Hautoberfläche vertreten. Diese Erkenntnis der über 3000 Jahre alten chinesischen Akupunktur
    ist von Voll erweitert und systematisiert worden. Über die elektrische Messung an definierten
    Punkten, den Meßpunkten (MP) der EAV, kann man einen Einblick in die Funktionsfähigkeit des
    mit diesen MP korrespondierenden Organes erhalten. Die Mes­sung einer größeren Anzahl von
    MP ist die Ausgangsbasis für diagnostische Rückschlüsse.

Das Grundprinzip der Punktmessung in der EAV

Die Energie im Organismus ist fließend. In der biologischen Medizin spricht man vom Fließgleich­gewicht. Dieses läßt sich nicht in ein starres Meß- und Bewertungssystem zwängen, wie dies bei der Messung von Materie üblich ist. Das Ohmsche Gesetz (Formel U = R x I) läßt sich nicht ohne weiteres auf biologische Organismen anwenden. Eine derartige Messung ist zwar technisch mög­lich, würde aber dem regulationsfähigen Lebendigen nicht gerecht. Bei der EAV-Testung wird das Regulationsvermögen des Körpers bzw. eines Organes über den MP erfaßt.

In dem Meßgerät wird in einem netzunabhängigen Akku eine Gleichstrom-Spannung erzeugt. Vom Gerät führt ein Kabel zu einer zylindrischen Elektrode, die die Testperson in der Hand hält. Ein zweites Kabel führt zum Testgriffel mit der Punktelektrode. Beim Andrücken der Punktelektrode durch den Tester an den MP ist der Meßkreis geschlossen. Es wird am MP ein Meßstrom in den Körper eingebracht = Actio. Die Antwort des Körpers darauf ist die Reactio. Diese Antwort kann von Meßpunkt zu Meßpunkt sehr unterschiedlich ausfallen. Die vergleichende Beurteilung von Meßdaten nach genau definierten Kriterien führt zur EAV-Diagnose.

Die Haut über einem MP zeigt generell ein anderes Widerstandsverhalten als die umgebende Haut. Es besteht ein Potentialgefälle. Der Widerstand der Haut über einem MP ist abhängig von dem Zu­stand des korrespondierenden Organs. Wenn auch der Widerstand der Haut über dem MP eine wichtige Rolle spielt, so geht die EAV-Messung über eine reine Widerstandsmessung hinaus, in­dem nämlich ein Reiz (Meßstrom) vom Körper beantwortet werden muß. Wenn auch der Wider­stand der menschlichen Haut wegen seiner Komplexität noch nicht exakt definierbar ist, kann eine elektromagnetische Zustandsänderung der Elektrolyte durch den eingebrachten Meßstrom als Mo­dell gelten. Der Körper ist mit seinem eigenen Potential am Meßvorgang beteiligt. Der auf der Skala des Meßgerätes sichtbar gemachte Meßwert ist die Resultierende aus der Meßspannung und dem Potential des Körpers.

Die Forderung Volls lautet: Die am MP angelegte Spannung muß so dimensioniert sein, daß ein ge­sunder Körper diesen Reiz ohne Schwierigkeit einregulieren kann. Ein kranker Körper oder ein er­kranktes Organ müssen diesen Reiz anders, d.h. krankheitstypisch beantworten. Die angelegte Spannung darf jedoch nicht so niedrig sein, daß auch ein erkranktes Organ diesen Reiz noch ohne Schwierigkeiten einregulieren kann und somit Meßwerte entstehen, die einen normergischen Zu­stand vortäuschen. Da die genaue Dimensionierung dieser physikalischen Größen Voraussetzung für die EAV ist, kann die Messung nur mit entsprechend geeichten EAV-Geräten durchgeführt werden. […]

Sowohl für die Leitwertmessung als auch für die Punktmessung hat Voll ein Bewertungssystem er­arbeitet und dieses in Relation zu den in der konventionellen Medizin gängigen Begriffen gesetzt. Beispiel: der normalphysiologische Zustand eines Organes entspricht dem normergischen Reakti­onsverhalten. Ein Organ im Zustand der Entzündung reagiert bei der Messung anders als ein Organ im Zustand der Degeneration. Den Zuständen der Entzündung und der Degeneration entsprechen im Testgang typische Meßwerte.

Was kann in der EAV gemessen werden?

Im Laufe seiner über 30 jährigen Forschungstätigkeit hat Voll für alle Bereiche des Körpers spezifi­sche MP gefunden:

  • für alle Organe und Organabschnitte
  • für alle Funktionssysteme
  • für alle Sinnesorgane
  • für die Mundhöhle
  • für die verschiedenen Bereiche des Gehirns
  • für das periphere und zentrale Nervensystem
  • für das vegetative Nervensystem einschließlich des gesamten Plexus.

Voll hat jeden MP bezüglich seiner anatomisch - topographischen Lage exakt beschrieben und in Atlanten bildlich dargestellt. […]

Energetisches und biokybernetisches Denken

Voll hat den in der chinesischen Akupunktur bekannten und bewährten Begriff der fließenden En­ergie aufgegriffen und die von ihm so benannten energetischen Wechselbeziehungen zwischen de­finierten Teilen des Körpers zu einem wichtigen Grundpfeiler der EAV-Diagnostik und -therapie ausgebaut. […] Ärzte und Zahnärzte, die die Methode der EAV beherrschen, haben in tausenden von Fällen diese Erkenntnisse Volls bestätigen können. Als Beispiel sei genannt, daß therapieresistente Herzbeschwerden ihre Ursache in patholo­gischen Veränderungen in der Mundhöhle haben können und nach gezielter Herdtherapie ver­schwinden.

Die der EAV von Voll zugrunde gelegte Vorstellung der fließenden Energie war und ist zum Teil noch eine gute Grundlage für Diagnostik und Therapie. Jedoch reicht diese Arbeitshy­pothese nicht aus, um bestimmte am Patienten erhobene Befunde sowie bestimmte therapeutische Erfolge zu er­klären. Über die These der in den Meridianen und in den von Voll gefundenen Ener­gieleitbahnen fließenden Energie läßt sich die Wirkung homöopathischer Mittel in mittleren und hohen Potenzen nicht erklären. An der Realität, daß diese Wirkungen meßbar sind, kann man heute nicht mehr vor­beikommen. Fundierte theoretische Grundlagen zum Verständnis der Erfolge der Methode wurden angestrebt.

Beisch hat die tieferen Erkenntnisse der klassischen Akupunkturphysiologie und das biokyberneti­sche Den­ken in die EAV eingeführt. Hanzl fordert den Paradigmawechsel in der Medizin und das Denken in Regelkreisen. Informationen oder Signale sind nicht gebunden an materielle Strukturen oder den Energiefluß. Was in der EAV zur Diagnostik und Therapie genutzt wird, ist nach Beisch die Informationsverarbeitung in systemischen Bezügen. Diese Arbeitshypothese hat sich bewährt zum Verständnis der Wirkung homöopathischer Medikamente und erlaubt nachträglich eine Erklä­rung für die von Thomsen gefundenen Wirkungen "dentaler Störfaktoren mit übergeordneter Steue­rungsfunktion".

Bei dem Denken in energetischen Wechselbeziehungen (Voll) und der Erweiterung und Vertiefung der Grundlagen der EAV durch das systemische Denken (Beisch) ist es zum erstenmal in der Medi­zin möglich geworden, biokybernetische Zusammenhänge im Organismus reproduzierbar zu mes­sen. Damit werden die dem morphologischen Denken innewohnenden Grenzen weit überschritten. Jedem Facharzt ist es möglich, bei Kenntnis der theoretischen Grundlagen und Beherrschung der Meßmethode sein Fachgebiet sinnvoll in ein ganzheitliches übergreifendes System einzubeziehen und ihm den für jeden Patienten individuellen Stellenwert zu geben.

Anwendungsbereiche und Grenzen der EAV

Die Methode der EAV gestattet es, im lebenden Gewebe toxische Belastungen festzustellen in Grö­ßenordnungen, die sich der Labordiagnostik entziehen und dennoch hoch wirksam sind. Hierzu zählen besonders:

  • Insektizide, Pestizide
  • Nahrungsmitteltoxine
  • Berufsbedingte Intoxikationen (z.B. Schwermetalle, chemische Gifte)
  • Bakterientoxine
  • Allergene
  • Genußmittel
  • Virale Imprägnationen
  • Röntgenologisch und klinisch nicht erfaßbare Herde und Störfaktoren, auch in der Mundhöhle.

Die für eine Therapie erforderlichen Medikamente werden nach Art, Stärke und Dosis vor Inkorpo­rierung durch Messung bestimmt. Dadurch erübrigen sich therapeutische Umwege. Generell kann gesagt werden, daß die EAV mit ihren verschiedenen Möglichkeiten eingesetzt werden kann bei allen chronischen und therapieresistenten Krankheiten und bei Rezidiven.

Viele Menschen leiden unter Krankheitssymptomen, deren Ursache mit den Methoden der konven­tionellen Medizin gar nicht oder nur teilweise zu klären ist. Durch Karenz individuell unverträgli­cher Nahrungs- und Genußmittel kann vielen Menschen entscheidend geholfen werden. Welche Nahrungs- und Genußmittel individuell verträglich oder unverträglich sind, läßt sich - bei Beherr­schung der Methode - mittels EAV-Untersuchung feststellen. […]

Hervorragende Möglichkeiten bieten sich bei der Vorsorge, da über die EAV-Untersuchung bereits das prämorbide Stadium diagnostiziert werden kann, bevor die Krankheit im klinischen Sinne ma­nifest ist.

Einen besonderen Platz nehmen die dentalen Werkstoffe ein, die häufig nicht so neutral oder ver­träglich sind, wie dies von der konventionellen Zahnheilkunde angenommen wird. Bei individueller Unverträglichkeit können dentale Werkstoffe eine Fülle von Störungen fernab der Mundhöhle be­wirken. Die Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung können mit Hilfe der EAV-Untersu­chung diagnostiziert werden. Die gezielte Auswahl individuell verträglicher Werk­stoffe über die EAV-Untersuchung vor Beginn restaurativer Maßnahmen dient zur Vermeidung von Unverträg­lichkeitserscheinungen, die meistens im neurovegetativen Bereich liegen und mit kon­ventionellen Methoden nicht erfaßbar sind.

In der Herdlehre stehen seit Jahrzehnten die Meinungen der Befürworter und der Gegner von Zahn­entfernungen sich konträr gegenüber. Mit Hilfe einer subtilen EAV-Diagnostik kann der speziell geschulte Arzt/Zahnarzt herausfinden, von welchen Zähnen eine Herdfernwirkung ausgeht, von welcher Stärke sie ist und wohin sie wirkt. Zahnentfer­nungen auf Verdacht können vermieden wer­den. Bei Beherrschung der Methode können sogar viele Zähne sinnvoll erhalten werden. […]

Eine weitere therapeutische Möglichkeit innerhalb der EAV ist die Anwendung niederfrequenter Stromimpulse. Bei dieser rein physikalischen Therapie kommen keine Medikamente zum Einsatz, sondern es werden Kippschwingungsimpulse entweder großflächig auf Körperareale oder gezielt auf ausgewählte AP-Punkte appliziert. Auf die mit den AP-Punkten korrespondierenden Organe und Funktionssysteme wird somit ein elektrophysikalischer Reiz gesetzt, dessen Beantwortung sich objektiv und subjektiv als Gesundungsprozeß äußert.

Die therapeutischen Grenzen der EAV sind gegeben bei:

  1. Substitutionspflichtigen Krankheiten, z.B. Diabetes
  2. Eisenmangelanämie
  3. PCP in einigen Fällen
  4. Zerstörung von Gewebe
  5. Echten psychischen Krankheiten

[…]

Quelle: ZDN, Dokumentation der besonderen Therapieeinrichtungen und natürlichen Heilweisen in Europa, Band IV, S. 231-236, Darstellung der Elektroakupunktur nach Voll (EAV),

Autor: Dr. med.dent. Joachim Thomsen