Akupunktur

Akupunktur

1. Einleitung

Die Akupunktur ist sicher die bekannteste unter den asiatischen Heilmethoden, die im Westen Ein­gang und Verbreitung gefunden haben. Obgleich die Akupunktur aus dem Blickwinkel des Westens oft für den Schwerpunkt der chinesischen Heilkunde gehalten wird, hat sie dennoch innerhalb der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) – dieses komplexen und doch in sich geschlossenen Ge­samtgebäudes – immer nur einen Teil ausgemacht. Während viele Bereiche der traditionellen chine­sischen Medizin sich mit westlichen Naturheilverfahren vergleichen lassen, findet sich für die Akupunktur kaum etwas Vergleichbares in der gesamten Geschichte der westlichen Medizin. Das Phänomen punktueller reflektorischer Innen-Außen-Wechselwirkungen fand im Westen überhaupt erst vor 100 Jahren (1983) Beachtung.

Was ist das Besondere an der Akupunktur, das naturwissenschaftlich geschulte Ärzte des Abend­landes heute veranlasst, sich dieser aus dem Osten überkommenen Heilmethode zuzuwenden? Die Besonderheit der Akupunktur beruht – in der Praxis wie auch in der zugrunde liegenden Theorie – auf fünf Kriterien. Diese Kriterien könnten zu einer wesentlichen und wertvollen Ergänzung der westlichen Medizin führen:

1.   Der ständige direkte Kontakt mit der Körperoberfläche – mit spezifischen Arealen und Punkten –
      führt zur Begegnung mit einem offenen Reaktions- und Response-System des Organismus.

2.   Die Akupunktur bezieht in ihre Diagnostik und Therapie grundsätzlich das Phänomen des Polaren ein.

      Die sich aus den einzelnen Polarisierungen ergebenden Spannungen führen zu einer
      energetischen Modellvorstellung (Qi), wobei Funktionelles zum Hauptkriterium der polaren
      Wechselwirkungen wird.

3.   Die Gesamtheit des Punkt-Raster-Systems nimmt sich wie ein kybernetisches Regelkreismodell
      aus, das mit Hilfe der in den Punkten gegebenen "Inputs" und "Outputs" moduliert werden kann
      im Sinne einer Regulationstherapie, die an einem autoregulativen System angreift.

4.   Es ergeben sich fünf Funktionskreise des Organismus – die fünf "Wandlungsphasen" der Akupunktur.

      Sie lassen den Menschen als Mikrokosmos erkennen, der sich in die Ökologie des Makrokosmos

      einzufügen hat. Die Definition der fünf Funktionskreise mit ihren Inhalten und Entsprechungen

      begründet eine schlüssige Systematik. Indem die Akupunktur den natürlichen Ordnungen

      des Lebendigen als Voraussetzung von Heil- und Gesundsein nachspürt und sie diagnostisch

      und therapeutisch nutzt, erweist sie sich als eine Ordnungstherapie und erfüllt damit das
      Hauptmerkmal eines Naturheilverfahrens.

5.   Die Systematik der Akupunktur erschließt sogar einen direkten somatopsychischen Zugang, weil
      die einzelnen Funktionskreise sich jeweils auch auf psychische Inhalte erstrecken. Auf diese
      Weise bietet die Akupunktur eine Verständnisbrücke zur Psychosomatik.

Die Akupunktur ist heute zunehmend in die Schmerztherapie integriert und wird – soweit der Aus­bildungsstand der betreffenden Ärzte dies erlaubt – in das Repertoire der modernen Pain Clinics aufgenommen. Die Wirksamkeit der Akupunktur gerade auf dem Gebiet der Schmerztherapie ist in den meisten westlichen Ländern offiziell anerkannt oder zumindest inoffiziell bestätigt. Demzu­folge sollten gewisse Grundkenntnisse der Akupunktur heutzutage zur allgemeinen ärztlichen Bil­dung gehören, zumal die Naturheilverfahren und natürlichen Regulationstherapien ab 1993 in den Prüfungskatalog der Universitäten aufgenommen sind.

Das Besondere der traditionellen Akupunktur liegt darin, dass Erkennt­nisse, Lehren, Regeln der Akupunktur, die vor Jahrhunderten aufgestellt und definiert worden sind, auch heute noch vollgül­tig und anwendbar sind. Derartiges ist für keine andere Methode der Medi­zin gegeben; nur die Akupunktur hat eine solche konstante Beweiskraft über Jahrhunderte hinweg geliefert.

Die Stärke der traditionellen chinesischen Medizin wie auch der Akupunktur liegt dementsprechend in der Prävention – im frühzeitigen Erkennen von Dysbalancen funktioneller Art, ehe sie sich zu Organerkrankungen und psychischen Erkrankungen entwickeln. Der auf seine Schwächen ange­sprochene Patient wird sein Verhalten, sein Bewusstsein, seine Einstellung zum Körper, zur Um­welt, zu seinen seelischen Gegebenheiten ändern können. Der Rat des Arztes, seine Betreuung und Begleitung durch einen Lernprozess, der noch nicht Krankheitswert haben muss, ist Voraussetzung einer gelingenden Prophylaxe. Dabei haben die traditionellen chinesischen Ärzte in der Regel keine Seelsorge im Sinne psychotherapeutischer Gespräche betrieben – grundsätzlich blieb der Zugang zum Patienten der über den Leib. Erst wenn Bewegungsübungen (Tai Chi, Qi Gong u. a.), Atemübungen, Diätetik und eventuell auch die verordneten Pflanzenmittel keine Besserung und Umstimmung erzielt hatten, wurde die Akupunktur zur Methode der Wahl. Über die spezifischen Akupunkturpunkte wird der Patient in einer Schicht angesprochen, die seinem autonomen, unbe­wussten Wesen entspricht; durch den schmerzhaften Nadelreiz wird zugleich eine bewusste Wahr­nehmung provoziert. Es ist, als ob dieser Weg der sicherste wäre, um dem Patienten zu einer be­wussteren Erfahrung seines Krankseins und seines Hilferufes nach Gesundung zu bringen. Dieser Nebenfaktor mag die eigentliche Akupunktur-Wirkung eher fördern, ist aber keineswegs Voraus­setzung für deren Erfolg

2.  Wirkungsweise der Akupunktur

Heute kann man vier Hauptwirkungsweisen der Akupunktur unterscheiden:

Die erste ist die nervale Wirkungsweise unter Benutzung der cutivisceralen Reflexe sowie der Headschen Zo­nen. Da die sehr feine Akupunkturnadel (0,2 mm Durchmesser) beim cutanen bzw. subcutanen Ein­stich vornehmlich myelinisierte Fasern reizt mit rascher Leitfähigkeit, kommen Reize von unmyeli­nisierten C-Fasern quasi verspätet an die Umschaltstelle vom 1. zum 2. Neuron im Rückenmark und ins thalamische Gebiet, wodurch eine Mitigierung rivalisierender Reize eine Schmerzverdeckung hervorrufen kann. In dieser Beziehung bestehen sehr enge Verbindungen zur Neuraltherapie, die sehr häufig Einstichstellen benützt, die mit Akupunkturpunkten identisch sind. In jüngster Zeit konnte Heine zeigen, dass an den Akupunkturpunkten (und zwar nur an diesen) schlauchartige Gebilde, die Nerven, Arterien und Venen sowie Bindegewebe enthalten, durch prä­formierte Öffnungen der Fascia superficialis in die Tiefe ziehen und vor allem auch das Grund­system nach Pischinger involvieren.

Noch wesentlich höherwertig wird heute die Wirkung von Neurotransmittern gesehen (z. B. Endor­phinen, Enkephalinen, etc.), die Opiatrezeptoren besetzen und dergestalt eine stark schmerzlin­dernde Wirkung aufweisen. Versuche mit Akupunktur in dieser Wirkungsrichtung konnten vielfach angestellt werden. Gleiche Versuche, diesmal ohne Akupunktur, jedoch mit parenteraler Zufuhr von z. B. Beta-Endorphin, brachten praktisch gleiche Kurvenbilder wie mit Akupunktur. Beide Versuche konnten durch die Gabe von Naloxon (dem Antidot gegen Opiate) jederzeit unterbrochen werden. Wir dürfen also füglich festhalten, dass Akupunktur eine deutliche Wirkung auf signifikante Freiset­zung körpereigener morphinähnlicher Stoffe ausübt, die praktisch dem Selbstschutz von Mensch und Tier, vielleicht sogar von Pflanzen, dienen. Es spielen hier noch eine Reihe anderer Substanzen mit, von Monat zu Monat wird die Zahl der neu hinzuentdeckten größer.

Hier ist nachzutragen, dass sich um die eingestochene Nadel in drei bis fünf Minuten ein roter Hof bildet. Dies bedeutet verstärkte Durchblutung des betreffenden Hautareals, die mit einer Erhöhung der Hauttemperatur um ein bis zwei Grad Celsius einhergeht. Das betrifft aber nicht nur den Bezirk um die Ein­stichstelle herum, sondern auch das oft weit entfernte Zielgebiet der Nadel, wie das in der Lehre der Akupunktur (aber auch z. B. in der Neuraltherapie) empirisch festgestellt wurde. Sol­che Erfahrungswerte würden aber wissenschaftlich nicht genügen, besonders wegen des Zielgebie­tes, das auch nicht selten die Gege­benheiten der Segmenttherapie überschreitet. Thermographische Untersuchungen waren aber sehr wohl in der Lage, solche Veränderungen in den Zielgebieten ein­deutig und klar zu zeigen. Diese Versuche wurden atypisch angelegt: Es wurde jeweils nur ein bi­lateraler Punkt verwandt, um zu se­hen,

1.   ob dieser Punkt tatsächlich die Leistung erbringt, die ihm in der Literatur zugeschrieben wird
      und

2.   ob er sich auch bei unilateralen Prozessen nur oder hauptsächlich auf die affektierte Seite aus-
      wirke.

Beides war in zahlreichen Versuchen eindeutig nachweisbar, so dass man heute postulieren kann, dass die Akupunktur eine selektive Wirkung auf die Verbesserung der Makrozirkulation in befalle­nen Gebieten ausübt. Kaada konnte darüber hinaus auch noch nachweisen, dass von elf geprüften Substanzen lediglich VIP (vascular intestine polypeptide) einen signifikanten Einfluss auf die Mi­krozirkulation aufwies. Diese Substanz aber wird durch Akupunktur in hochsignifikanter Weise zur Ausschüttung gebracht. Wir dürfen also heute mit Sicherheit annehmen, dass Akupunktur auch eine sehr wesentliche Wirkung auf die Mikrozirkulation ausübt. Diese Feststellung erklärt auch die si­gnifikanten Anstiege des klinischen Wohlbefindens und entsprechender Prüfparameter desselben.

Schließlich kommt es auch nach Akupunktur lege artis zur Herabsetzung des Tonus verspannter Muskulatur und des Turgors ebensolchen Bindegewebes. Dies ist in einfachster Weise sowohl am Einstichort als auch im oft weit davon entfernten Zielgebiet zu konstatieren. Myographische Unter­suchungen kommen zum gleichen Ergebnis.

Letztlich sollte auch die psychologische Seite der Akupunktur kurz behandelt werden. Sie erscheint im ersten Moment eigenartig. Durch den seinerzeitigen Medienrummel gab es natürlich viele Patienten, die die Akupunktur als eine Panacea betrachteten. Heute ist eher das Gegenteil der Fall.

3.  Die Anamnese

Hier besteht wahrscheinlich ein kardinaler Unterschied zu üblichen Anamnesen im klinischen Be­reich, wie dies auch schon bei der Neuraltherapie angesprochen wurde. Wir erkundigen uns sehr genau nach persönlichen Wahrnehmungen des Patienten, etwa unter welchen Bedingungen sich seine Beschwerden akutisieren etc. Wir versuchen sodann, sie mit den üblichen Befunden in Ein­klang zu bringen. Wir beziehen uns heute in erster Linie auf seine Angaben, auf die korporale Un­tersuchung und eben die genaue Anamnese, die weit über das übliche Maß hinausgeht. Da Aku­punktur, ebenso wie die Neuraltherapie, eine Regulationstherapie ist, die also den gesamten Men­schen (Psyche und Körper) betrifft, muss der Anamnese eine Basisbedeutung zukommen. Es ist ein Fehler zu glauben, dass der Patient wenig beitragen könnte. Im Gegenteil, er ist jene Person, die ihr Krankheitsbild auf das genaueste betrachtet. Mag sein, dass die Wortfindung zu wünschen übrig lässt, man manchmal Logorrhoikern gegenübersitzt, aber anhören ist immer noch besser, als rein ge­zielte Fragen zu stellen. Diese sollten erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen, da sie sonst sugge­stiv wären.

4.  Die Technik der Akupunktur

Ursprünglich war die Technik der Akupunktur sehr einfach. Es wurde der Akupunktur-Punkt aufge­sucht und sodann, nach Hautdesinfektion, in denselben eine Metallnadel eingeführt. Anfangs waren diese Nadeln aus Gold- bzw. Silberauflagen um starre Stahlkerne. Dies stammte noch aus der Zeit der Klassik, als in den alten Büchern von rotem bzw. weißem Metall gesprochen wurde. Heute kommen allgemein biegsame Nadeln aus rostfreiem Stahl mit einem Führungsgriffel oder Einmal­nadeln mit Plastikkopf zur Verwendung. Diese Nadeln besitzen eine scharfe Spitze und variieren im Durchmesser (0,2 bis 0,4 mm) und der Länge (1 bis 10 cm).

Üblicherweise verweilen die Nadeln etwa 20 Minuten in situ und werden dann wieder entfernt. Die Einstichtiefe ist eine variable Größe, die vom Ort des Punktes sowie vom Körperbau des Patienten abhängt. Grundsätzlich verwenden wir Tiefen von einem halben Zentimeter (oder weniger) bis etwa drei bis vier Zentimeter. Die chinesischen Schulen, aber auch manche europäische, stechen bedeu­tend tiefer bis zu zehn Zentimeter, gelegentlich auch mehr. Dies scheint nach den neusten For­schungen nicht nö­tig zu sein, außer in Ausnahmefällen, z. B. bei Hartspann, Lähmungen und Aku­punktur-Analgesie.

Der übliche Abstand zwischen zwei Behandlungen beträgt fünf bis sieben Tage. In hochaktuellen Fällen (z. B. Trigeminusneuralgien und andere hochschmerzhafte Zustände) kann auch anfangs täg­lich behandelt werden, ebenso bei Lähmungserscheinungen (z. B. Fazialisparese). Die Begründung ist zu suchen in der Tatsache, dass ja der Nadelstich eine Mikrowunde darstellt und die Hautheilpha­sen  etwa diese Zeit benöti­gen. In Einzelfällen kommen auch Dauernadeln (meist in der Form eines Widderhorns und relativ klein, 1-1,5 cm) zur Anwendung, die mittels eines Heftpflasters nach dem Einstich fixiert werden und bis zu einer Woche in situ bleiben. Dies sollte nur bei pfleglich gehaltenen Patienten gesche­hen, wobei eine tägliche Kontrolle des Sitzes und des Zustandes der umgebenden Haut nötig ist.

Bei sensiblen Patienten, Kindern oder Agophobie verwendet man schon seit etwa 15 Jahren anstelle der Nadeln nicht-invasive Methoden, wie den Laserstrahl und/oder TENS.

5.  Phänomene der Akupunktur

Nach dem Nadelstich treten üblicherweise eine Reihe von Phänomenen auf. In selteneren Fällen ist es eine sofortige Aufhebung des Schmerzgeschehens, etwa vergleichbar dem Sekundenphänomen nach Huneke. Dies ist besonders bei akuten Fällen zutreffend. Da jedoch heutzutage (fälschlicher­weise) Patienten hauptsächlich deshalb der Akupunktur zugewiesen werden bzw. sie deshalb su­chen, weil sie sich als bisher ganz oder weitgehend therapieresistent erwiesen haben, sind akute Fälle, besonders in unserer Ambulanz, nicht so häufig (ca. 8%).

Daher sind andere Phänomene bedeutsamer. Es werden hierbei für jede Behandlung Punkte ausge­wählt, die für die Pathophysiologie des betreffenden Leidens aus wissenschaftlichem Nachweis und Erfahrung klinisch relevant sind. Eine Gesamtzahl von 16 eingestochenen Nadeln sollte dabei nicht überschritten werden. Um die eingestochenen Nadeln entwickelt sich in wenigen Minuten ein roter Hof (abhängig von der Dichte der Hautstruktur, also ventral rascher als dorsal), dessen Messung mit dem Hautthermometer einen Anstieg von ein bis zwei Grad C ergibt. Bald da­nach (manchmal aber auch sofort nach dem Einstich) gibt der Patient ein wohliges Wärmegefühl an, das sich in Richtung des affektierten Bereiches propagiert. In China wird dieses Gefühl als "De-Qui" oder Nadelgefühl bezeichnet, ein Begriff, der uns nicht exakt erscheint. Denn er wird ebenso verwendet für die Sen­sation eines schwachen elektrischen Schlages, wie er auftritt, wenn beim tie­fen Einstich das Peri­neurium berührt wird.

In der weiteren Folge geben die Patienten ein Gefühl größter Entspanntheit an, nicht selten mit ei­nem Kurzschlaf zu jeglicher Tageszeit verbunden. Dies dürfte auf die Freisetzung körpereigener Opiate zurückzuführen sein. Irgendwelche beschränkenden Faktoren (Arbeitsunfähigkeit etc.) erge­ben sich daraus aber nicht.

Häufig kommt es nach den ersten drei Behandlungen zu einer relativen Verschlechterung, die je­doch von kurzer Dauer ist. Wird dies dem Patienten am Beginn der Behandlung gesagt, stört es ihn nicht. Bei deutlicher Besserung werden die Behandlungsabstände gestreckt, d. h. zuerst auf zwei Wochen, bei anhaltender Besserung auf vier, wenn weiterhin Besserung besteht auf acht Wochen, ein halbes Jahr, dann ein ganzes Jahr. Daraus ergibt sich eine begleitende Kontrolle für die Patien­ten, die sich absolut bewährt hat.

6.  Indikationen für die Akupunktur

Die einzelnen Krankheitsbilder kann man in drei Gruppen einteilen, je nach ihrem Ansprechen auf Akupunkturbehandlung:

Gruppe I: relativ leicht beeinflussbare Zustände

Gruppe II: schwieriger und seltener Erfolg versprechend

Gruppe III: selten und nur mühsam erreichte Behandlungserfolge

 

Zephalgien (I)                                                                                    Gastritis

Migräne (I)                                                                                         Ulcus ventriculi et duodeni (I)

Heuschnupfen (I – II)                                                                        Hyperemesis gravidarum

Tinnitus (III)                                                                                      Inappetenz (II)

Trigeminusneuralgien (I – II)                                                             Enteritis und Diarrhoe

Facialisparesen (II – III)                                                                    Obstipation

Schwindel (I – II)                                                                               Kolitis (I)

Ménièresche Krankheit (II – III)                                                        Cholezystitis (II)

Augenheilkunde (II – III)                                                                   Herzerkrankungen (II)

Psychische Erkrankungen (I – II)                                                      Erkrankungen der Gefäße (I)

Psychische Labilität (I – II)                                                               Hyper- und Hypotonie

Schlaflosigkeit                                                                                    Hämatologie (II)

Krampfkrankheiten                                                                            Schnupfen

Zahnschmerzen (I – II)                                                                      Pharyngitis

Interkostalneuralgie (II)                                                                     Asthma bronchiale

Paresen der oberen Extremitäten (I – II)                                            Hautkrankheiten (II)

Ischias (I)                                                                                           Herpes zoster

Gonarthrose (I)                                                                                  Ulcus cruris (I)

Gelenksentzündungen                                                                        Periodenstörungen (I)

Paresen der unteren Extremitäten                                                      Nierenkrankheiten (III)

Durchblutungsstörungen (I)                                                              

7.  Kontraindikationen

Deren Zahl ist in der Akupunktur gering. Auf den kürzesten Nenner gebracht könnte man sagen: Akupunktur ist dort indiziert, wo Funktionen gestört sind, und kontraindiziert, wo sie zerstört sind.

Daraus ergibt sich, dass alle Karzinome, systemische Erkrankungen (wie z. B. MS) sowie Infektions­krankheiten a priori nicht mit Akupunktur behandelt werden dürfen. Ferner ist bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises größtes Gewicht auf die Blutbefunde zu legen.

Patienten, die unter Antikoagulantien stehen, sind mit Vorsicht und seichtem Einstich zu behandeln, stellen aber keine absolute Kontraindikation dar.

Bei Agophobie wird auf die punktuelle Laserbehandlung ausgewichen.

8.  Zwischenfälle

Häufiger kommt es vor, dass Patienten, besonders Männer, kurzfristig kollabieren. Die Akupunktur besitzt Punkte dagegen, die sofort eingesetzt werden, während die anderen Nadeln entfernt werden. Daher sollten Männer grundsätzlich stets liegend behandelt werden, Frauen zumindest bei den er­sten Behandlungen. Bis jetzt sind keinerlei Folgezustände beobachtet worden. Im Gegenteil, Pati­enten zeigen nach solchen Zwischenfällen meist bessere Resultate als andere.

Sonstige negative Nebenwirkungen der Akupunktur sind bis jetzt nicht bekannt. In all den Jahren gab es noch keine Hepatitis-Infektion oder gar Aids, bei absoluter Sterilität der Nadeln. Immer mehr nimmt die Verwendung von Einmalnadeln zu.