Migräne

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die vererbt wird und etwa 10% der Bevölkerung, davon überwiegend Frauen, betrifft.

Eine Migräne beginnt, wenn hyperaktive Nervenzellen Impulse an die Blutgefäße aussenden, die bewirken, dass die Adern sich zunächst versteifen und verengen, sich anschließend wieder weiten und entzündungsauslösende Substanzen ausgeschüttet werden, die ein pochendes Schmerzgefühl hervorrufen. Dieser Kopfschmerz ist periodisch auftretend und einseitig. Er wird häufig von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Erschöpfung, Schwindel etc. begleitet. Diese Beschwerden dauern in den meisten Fällen ca. 4 Stunden, können allerdings auch bis zu einer Woche anhalten.

Ausgelöst werden die Schmerzen häufig durch emotionalen Stress, Sensibilität gegenüber Chemikalien und Konservierungsstoffen in Lebensmitteln, Koffein, wechselnde Wetterbedingungen, gestörter Tages- bzw. Schlafrhythmus, Menstruation und Erschöpfung.

Zur Behandlung der Migräne werden medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapien kombiniert. Die Art der Therapie ist stark vom Ausmaß der Migräne abhängig und zielt darauf ab die unterschiedlich stark auftretenden Symptome zu lindern.

Migräne – Behandlungsmöglichkeiten im Ayurveda

Der Behandlungsansatz des Ayurveda unterscheidet sich von dem anderer Medizinsysteme. Ayurveda behandelt nicht die Krankheit sondern richtet sich nach den individuellen Gesundheitsbedingungen des Patienten.

Präparate zum Einnehmen, externe Behandlungen und Panchakarma-Kuren werden für die Migränebehandlung zusammengestellt. Dies erfolgt nach einer detaillierten Diagnose gemäß ayurvedischer Methoden. Dabei werden die Krankheitsdauer, frühere Erkrankungen, die geistige Verfassung, der Schlafrhythmus, der Appetit, die Ernährungsgewohnheiten, die Aktivitäten, die Sinnesorgane, der Puls, die Beschaffenheit von Stuhl und Urin sowie der Zyklusverlauf der Frau, etc. detailliert untersucht. So lässt sich Aufschluss über die Beteiligung der Doshas und die Schwere der Erkrankung gewinnen. Die Behandlung richtet sich nach diesen Faktoren.

Präparate zum Einnehmen

Verschiedene Kräuterpräparate wie Dekokte, Pulver, Tabletten und Tonika werden verabreicht, sofern es sich nicht um eine chronische Erkrankung handelt. Diese Präparate wirken direkt auf die obere Körperpartie, besonders auf den Kopf. Ihre Wirkung ist auf bestimmte Eigenschaften (Rasa, Guna, Veerya, Vipaka und Prabhava) zurückzuführen, die sie im Körper vom Zeitpunkt des Verzehrs bis hin zur vollständigen Verdauung entfalten.

Externe Behandlungen und Panchakarma-Kuren

Äußerliche Behandlungen zusammen mit Präparaten zum Einnehmen sind sehr effektiv bei der Behandlung chronischer Krankheitsverläufe. Anwendungen, bei denen verschiedene Arten von Pasten auf die Stirn aufgetragen werden, verhelfen zu einer schnellen Schmerzlinderung. Die Präparate normalisieren die Überaktivität der Nervenzellen und regulieren die Blutzirkulation zum Gehirn. Spezielle Behandlungen wie Shirodhara, Thalam, Shirovasti, Talapodichil usw. sind in Kerala entwickelt worden, um das Nervensystem zu nähren und dadurch die Vata-Funktion zu normalisieren. Auch andere systemische Störungen werden beachtet und entsprechend behandelt.

Bei chronischer Migräne werden Toxine im Kopfbereich abgelagert und die Sinnesorgane in Mitleidenschaft gezogen. Aufgrund der Betroffenheit der Sinnesorgane entstehen eine Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und Gerüchen sowie Gefühlsschwankungen. Panchakarma-Behandlungen entfernen diese Toxine und stärken das Nervensystem. Nasya ist eine der Behandlungen, die direkt auf die Nerven einwirken und Toxine entfernen, die sich in den Nasennebenhöhlen angesammelt haben. In den Schleimhäuten der Nasennebenhöhlen befinden sich viele Nervenenden. Die medizinierten Öle, die bei Nasya verabreicht werden, wirken direkt auf diese Nervenenden ein und besänftigen Vata. Die speziellen Präparate, die für Nasya-Behandlungen benutzt werden, entfernen das Sekret, das sich in den Nebenhöhlen angesammelt hat, und lösen damit den Druck, der sich dort aufgebaut hat. Andere Panchakarma-Behandlungen wie Vasti oder Virechana entfernen ebenfalls die Toxine aus dem Körper.

Nach den Reinigungsbehandlungen werden bestimmte immunregulierende Präparate, Rasayana genannt, verabreicht. Rasayana-Präparate verbessern das Immunsystem und die Wahrnehmung der Sinnesorgane.

Ernährung

Der Verzehr geeigneter Nahrungsmittel und gesunde Ernährungsgewohnheiten sind sehr wichtig. Zeitlich angemessene und ausreichende Nahrungsaufnahme erleichtert die Verdauung und verhindert damit gleichzeitig die Entstehung von Toxinen. Die Aufnahme von Vata-stärkenden Lebensmitteln wie trockenen, kühlen Speisen mit geringem Nährstoffgehalt sowie der Verzehr von geringen Essensmengen, Fastfood, usw. sollte vermieden werden. Auch Kapha-steigernde Speisen wie schweres, kaltes, fettiges Essen, das Verdauungsstörungen auslösen kann, sind nicht empfehlenswert.

Bewegung

Ein unpassendes Maß an Aktivität kann Migräne auslösen oder verstärken. Fundiertes Wissen über förderliche Verhaltensweisen kann helfen, die Schwere eines Anfalls zu reduzieren. Es ist ratsam, Körper und Geist zu entspannen, z. B durch Musik hören, Yoga, Meditation und Gespräche mit gleichgesinnten Menschen und andere entspannungsfördernde Handlungen. Der Aufenthalt in Wind, Kälte, Sonnenlicht usw. ist nicht ratsam. Rauchen und der Verzehr alkoholischer Getränke sollten ebenfalls vermieden werden. Auch kaltes Duschen des Kopfes sowie das Nicht-Trocknen des Haares, die Aussetzung des Kopfes gegenüber warmem Wetter oder Sonnenlicht mit feuchten Haaren und direkt nach dem Duschen, kaltes Duschen nach einem Aufenthalt in der Hitze, Duschen nach der Verdauung von Speisen etc. kann die Symptome auslösen. Der Aufenthalt in Räumen mit sauerstoffarmer Luft, lange Bildschirmarbeit, langandauernde Tätigkeiten, die Augen und Gehirn anstrengen sowie andauerndes Grübeln etc. sollten vermieden werden.

Chronische Erkrankungen wie Migräne können erfolgreich behandelt werden, wenn der Patient geeignete Essens- und Verhaltensregeln einhält. Nach der ayurvedischen Lehre sind geeignete Lebensmittel und Verhaltensweisen wie Medizin. Sie unterstützen und katalysieren die Funktion der Kräuterpräparate im Körper.